Tuesday, April 16, 2024
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Tim Lochner: Die doppelten Facetten des AFD-Oberbürgermeisters und sein Wunsch von der „Blaue Wendung“

Einmal brach Tim Lochner mit der CDU von Merkel – nun leitet er als Chef das Rathaus von Pirna für die AFD. Was motiviert den 53-Jährigen?

Direkt nachdem sein Triumph am Sonntagabend besiegelt worden war, zeigte sich Tim Lochner dankbar bei Jörg Urban, dem Leiter der AfD in Sachsen, und bei Generalsekretär Jan Zwerg für ihre Unterstützung im Wahlkampf.

Lochner hatte gerade die Oberbürgermeisterwahl in Pirna in der zweiten Runde mit 38,5 Prozent der Stimmen gewonnen. Urban freute sich, dass die AfD jetzt den ersten Oberbürgermeister in Deutschland stellte. Dabei ist der 53-jährige zukünftige Rathauschef der 40.000-Einwohner-Stadt nicht Mitglied der AfD – und voraussichtlich auch nicht werde.

Lochner, mit grauem Haar ordentlich gekämmt, meist in Jeans und Oberhemd gekleidet, manchmal trägt er auch ein Sakko und in letzter Zeit öfters einen Trachten-Janker, hatte sich nicht zum ersten Mal um das Amt beworben. Bei der Wahl 2017 erhielt er 32,9 Prozent der Stimmen, im ersten Wahlgang 2023 genau den gleichen prozentualen Anteil.

2016 fand der Bruch mit der CDU statt

Im Herbst 2016 trat er aus der CDU aus, kurz danach kandidierte er als unabhängiger Einzelkandidat zum ersten Mal als Oberbürgermeister in Pirna. Als er damals im Vorfeld wegen seiner Verbindungen zu Pegida und zur AfD gefragt wurde, ob es während seiner möglichen Amtszeit den ersten AfD-Oberbürgermeister mit ihm geben würde, verneinte er. Damals schloss er generell aus, in den kommenden Jahren einer Partei beizutreten, einschließlich der AfD.

Daran hat er sich bis heute gehalten, am Wahlabend lehnte er erneut eine Parteimitgliedschaft ab. Dennoch kandidierte er dieses Mal für die AfD. Der Pirnaer AfD-Stadtverband hatte ihn im März einstimmig nominiert, und er ist bereits seit Anfang 2020 Mitglied der AfD-Fraktion im Stadtrat. Lochner sagte, dies sei im Vorfeld so vereinbart worden: Er kandidiere, werde aber kein Parteimitglied und bleibe so politisch unparteiisch.

„Es ist aberwitzig“, sagt Lochner über die Einstufung der AfD

Dass er nun für eine Partei ins Rathaus einzieht, deren sächsischen Landesverband mittlerweile vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird, störe ihn nicht. Aus Lochners Sicht sei diese Einstufung ohnehin politisch gesteuert. „Es ist aberwitzig“, sagt Lochner, „eine Partei als rechtsextrem einzustufen, die versucht, auf parlamentarischen Wegen Mehrheiten zu generieren.“

Fragt man ihn nach den extremistischen Standpunkten in der AfD, sagt er, in jeder Partei gebe es unglückliche Aussagen, die einseitig interpretiert würden. Ihm gehe es jetzt vor allem darum, Pirna neuen Schwung zu geben, die Stadt müsse sich wieder Visionen leisten können.

Vom Tischler zum Restaurator

1970 wurde Lochner in Pirna geboren, nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Holzmodellbauer. Im Jahr 1993 erhielt er den Meistertitel im Tischlerhandwerk. In einem zweijährigen Studium am Europäischen Institut für Denkmalpflege ließ er sich zum staatlich geprüften Restaurator ausbilden. Seit 30 Jahren ist er engagiert in derpersonal workshop independently.

For ten years, he served on the supervisory board of Volksbank Pirna. Currently, he is a supervisory board member of the Municipal Housing Company Pirna, the City Utilities, and the Pirna Holding. Furthermore, he was involved in founding the 1. FC Pirna and led it for a considerable period. Lochner is the father of two adult children.

Since 2014, he has been a member of the city council, initially for the CDU-Mittelstandsvereinigung MIT, then he left the party. After the mayoral election in 2017, he founded the voter association “Pirna kann mehr” (PKM) with supporters, later seeking closeness to former AfD leader Frauke Petry and her new movement “Blaue Wende.”

In the fall of 2018, Lochner, together with two other city councilors, founded the faction “Pirna kann mehr – Blaue Wende.” However, in the spring of 2019, Lochner distanced himself from Petry because he felt too associated with her and her goals, as well as the goals of state and federal politics. Now he finds himself in a similar position, this time with the AfD. However, he does not see any danger of being co-opted. Since the beginning of 2020, he has been a member of the AfD city council faction. “This has brought closeness,” Lochner says, “but not dependency.”

When he speaks in the city council, he is always calm and factual. He usually formulates his concerns briefly and outwardly presents himself as moderate. However, he adopts a different tone in social networks. At times, he refers to Saxony’s Prime Minister Michael Kretschmer (CDU) as a liar. At other times, he writes that he has turned his back on this state, the government, and the media. And in a public election forum, he threatened a questioner from the podium.

Warning against “replacement of the native population”

Lochner outlined his electoral goals in his own campaign newspaper, with partly contradictory statements. For example, he vehemently criticized the corona policies of the state and federal government, organizing corona demonstrations as early as 2020. He also opposes uncontrolled migration, using conspiracy myths such as the so-called “great replacement” of the population.

On election night, he also expressed himself in this direction: “If we have a foreigner share of demonstrably 38 percent in certain neighborhoods in elementary schools and kindergartens, then for me, that is already a replacement of the native population.”

Lochner also struggles with diversity and inclusivity. When the district office hoisted the rainbow flag on the occasion of Christopher Street Day in 2016, he and others accused the authority of “stumbling behind the zeitgeist”. He recently stated that as mayor, there would be no rainbow flag in front of the town hall.

Many of his issues are not soluble at the local level. Nevertheless, he expects a city chief to get involved with the relevant authorities in such cases to bring about change. “For my part,” says Lochner, “I stand for new impetus and actual change.”

He provided a foretaste of what this would look like on election night. Lochner announced that he would try to personally get to know the employees at the town hall as individual as possible – and test their loyalty.

By Thomas Möckel

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