Tuesday, April 16, 2024
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Bäckermeister steht Ampel vor schwerwiegendes Problem – hier sind drei Vorschläge

Der Bäckerobermeister Tobias Exner äußerte Kritik in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ gegen die Bundesregierung, die er als Ampel-Koalition bezeichnet. Exner beklagt die steigenden Kosten für Rohstoffe, Energie und Personal, die sich negativ auf die Gewinne seiner 40 Filialen in Berlin und Brandenburg auswirken.

Zusätzlich bemängelt Exner, dass seine Mitarbeiter Schwierigkeiten bei der Beantragung von Transferleistungen haben, da sie Formulare ausfüllen müssen, die sie nicht verstehen. Er fordert, dass Menschen von ihrem Lohn leben können, ohne zusätzliche Unterstützung beantragen zu müssen. Außerdem plädiert er dafür, dass die Einkommensteuergrenze auf 24.000 Euro angehoben wird, damit 2000 Euro im Monat steuerfrei bleiben.

Die Bäckereien kämpfen nicht nur mit den erwähnten Problemen, sondern auch mit Personalengpässen und steigenden Kosten aufgrund der Corona-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine. Dies führt zu einer finanziellen Belastung und zur Schließung von Betrieben. Laut Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, mussten im vergangenen Jahr rund 600 Betriebe schließen. Die Anzahl der Beschäftigten ging ebenfalls deutlich zurück.

Jörg Dahms von der Gewerkschaft NGG fordert daher eine Neuausrichtung der Branche, um gegenüber den Großmärkten bestehen zu können. Die Inflation und der daraus resultierende geringere Geldbeutel der Menschen erschweren jedoch das Erreichen von mehr Wachstum und das Entgegenwirken des Fachkräftemangels in Bäckereien.

Trotz dieser Herausforderungen macht FOCUS online drei Vorschläge.

1. Lohngerechtigkeit

Bäckereien haben mit einem Mangel an Personal zu kämpfen, da die Arbeitsbedingungen und Löhne unattraktiv sind. Viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt, und Auszubildende verdienen im dritten Lehrjahr nur 1085 Euro. Darüber hinaus beginnt die Arbeit in der Backstube nachts, was für viele abschreckend ist.

keine Residenz finden. Bäcker Exner hat inzwischen persönlich 25 Unterkünfte für Angestellte gemietet, während andere Bäckereien beispielsweise Wohngemeinschaften für Auszubildende anbieten.

„Es wird zunehmend herausfordernder, Gesellen zu angemessenen Löhnen einzustellen. Viele Unternehmen investieren, um ihre Mitarbeiter zu halten“, äußerte der Referatsleiter bei der Gewerkschaft NGG, Rajko Pientka. Ein ausgelernter Facharbeiter verdient im Schnitt etwa 2400 Euro pro Monat nach drei Jahren Berufsausbildung. Die Bezahlung variiert je nach Tarifvertrag in den einzelnen Landesregionen stark.

Aus diesem Grund wird klargestellt: Der Beruf muss wieder attraktiver werden.

Um qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren und zu überzeugen, wird empfohlen, die Arbeitszeiten von der Nacht auf den Tag zu verlagern und sich somit dem anzupassen, was die meisten Menschen als einen normal strukturierten Arbeitstag betrachten. Eine andere Möglichkeit wäre, die Arbeit am Sonntag zu beenden, um den Druck auf potenzielle Bewerber zu mindern.

„An einigen Orten wird die Beleuchtung bereits früher ausgeschaltet, um in Zeiten der Energiekrise teuren Strom zu sparen. In den meisten Fällen hat die verkürzte Öffnungszeit jedoch einen anderen Grund: Es mangelt schlichtweg an geeignetem Personal“, wusste auch Justin Kießig, der zusammen mit Fabio Weitz die KW Media GmbH etabliert hat. Die beiden Geschäftsführer haben es sich zur Aufgabe gemacht, Bäckereien und Konditoreien bei der Besetzung offener Stellen zu unterstützen und versprechen „Personal auf Knopfdruck“.

2. Lokal zahlt sich aus

Möglicherweise sollte in Zukunft wieder weniger auf Quantität und mehr auf regional verfügbare Spezialitäten und Naturprodukte ohne Zusatzstoffe gesetzt werden, um Kunden zu belohnen, wenn sie eine Bäckerei besuchen.

Wenn in der Backstube mit frischen, lokalen Zutaten gearbeitet wird, könnte die Qualität der Backwaren verbessert werden. Lokale Rohstoffe sind oft kostengünstiger, da keine langen Transportwege notwendig sind. Durch die Senkung der Kosten könnte auch der Preis für die Waren reduziert werden. Gleichzeitig unterstützt der Kauf von lokalen Produkten die regionalen Bauern und Produzenten, was zur Stärkung der Regionalwirtschaft beiträgt.

Für Bio-Backwaren mit Dinkel, Roggen, Nüssen und Kräutern stehen die Kunden in manchen Regionen Schlange und sind bereit, für handgefertigtes Brot Preise von etwa 8 oder 9 Euro je Kilo zu zahlen. Die Verbraucher sind bereit, zu warten und höhere Preise zu entrichten, um hochwertige Qualität zu erhalten – nicht nur in den Großstädten, wie Hauptgeschäftsführer Berg vom Bäckerhandwerk-Zentralverband meint.

Bäckereien können außerdem von Sonderregelungen profitieren und am Sonntag öffnen. In vielen europäischen Ländern verkaufen Bäckereien neben Backwaren auch Milch, Butter und Klopapier, um Kunden anzulocken, die nach Einkaufsmöglichkeiten suchen. Dies stärkt das Handwerk und fördert die Einnahmen.

3. Netzwerke schaffen

Bäckereien könnten durch die Bildung von Netzwerken und Kooperativen Synergien schaffen, um gemeinsam Einkaufsvorteile zu nutzen und Kosten zu senken. Gemeinsame Marketinginitiativen könnten ebenfalls dazu beitragen, die Sichtbarkeit zu erhöhen und die Kundenbindung zu stärken.

Durch den Zusammenschluss in Genossenschaften könnten Bäckereien eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber ihren Lieferanten erreichen. Durch gemeinsame Einkaufsinitiativen können größere Mengen an Rohstoffen wie Mehl, Zucker, Eier und anderen Backzutaten eingekauft werden, was zu günstigeren Preisen und besseren Konditionen führen kann. Gerade in Zeiten steigender Rohstoffpreise können diese Einsparungen erheblich sein.

Wo werden diese Bündnisse bereits eingesetzt? Im deutschen Einzelhandel. Hier finden die Konditionsverhandlungen der Supermärkte inzwischen nicht mehr auf nationaler, sondern auf europäischer Ebene statt. Mit Erfolg! „Wenn man sich die Top 30 des deutschen Lebensmitteleinzelhandels anschaut, existieren nicht mehr viele unabhängige Händler, die nicht in irgendeiner Form an einen größeren Verbund angeschlossen sind“, sagt Michael Kutz von der Retail Trade Group (RTG), einem Einkaufsbündnis mittelständischer Händler.

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