Monday, April 22, 2024
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Interview mit einer Leichenschauerin: Der Verlust eines geliebten Menschen: „Man kann den Schmerz nicht antizipieren“

FOCUS online: Frau Benz, der Tod ist ein Teil des Lebens – ist das für Sie besonders wahr?   

Sarah Benz: Ja, wahrscheinlich. Beruflich habe ich viel mit Verstorbenen und trauernden Personen zu tun, als Leichenschauerin, Notfallseelsorgerin und Trauerbegleiterin.

Drei Berufe, die wahrscheinlich viel von Ihnen verlangen. Wann haben Sie begonnen, sich um Verstorbene und Trauernde zu kümmern?

Benz: Als Notfallseelsorgerin bin ich ehrenamtlich seit 2006 tätig. Die Notfallseelsorge wird immer dann gerufen, wenn jemand unerwartet stirbt. Oft sind in solchen Situationen Rettungskräfte oder die Polizei vor Ort. Diese müssen bald zum nächsten Einsatz aufbrechen. Ich kann länger bleiben und den Hinterbliebenen beistehen, bis sie sich etwas gefestigt haben.

Für das Thema Sterben und Trauer habe ich mich früh interessiert und habe Trauerbegleitung sowie verschiedene Kursangebote in meine Tätigkeit als Sozialpädagogin integriert. Es ging um Themen wie: „Wie man mit Kindern über den Tod spricht“ oder „Umgang mit Trauer“. 2014 habe ich den Bestatter Jan Möllers kennengelernt und wir haben zusammen das Projekt „Sarggeschichten“ ins Leben gerufen.

Es handelt sich um ein Kurzfilmprojekt, in dem ich, heute mit meiner Kollegin Katrin Trommler, Fragen zu den Themen Sterben, Tod und Trauer beantworte. Mein Ziel ist es, Menschen zu ermutigen, ihre Abschiedsprozesse eigenständig zu gestalten. Die Filme veröffentlichen wir online auf unserer Webseite und auf unserem YouTube-Kanal.

Und so sind Sie zu Ihrer Tätigkeit als Leichenschauerin gekommen?

Benz: Genau. Ich bin in Kontakt mit verschiedenen „alternativen Bestattenden“ gekommen und habe angefangen, meinem heutigen Kollegen Julian Heigel zu assistieren. Irgendwann hat er mir angeboten, selber Begleitungen zu übernehmen. Es erfüllt mich mit Freude, als Leichenschauerin zu arbeiten und ich finde es sehr sinnstiftend.

Was bedeutet „alternativ“ in diesem Kontext?

Benz: Die Begriffswahl stammt nicht von mir. Es geht dabei hauptsächlich um die Selbstbestimmung der Hinterbliebenen. Ich biete den Menschen Raum, um zu erkennen, was sie wollen und benötigen, um diesen Abschied zu gestalten. Dafür müssen sie aber wissen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.

Und welche Optionen gibt es?

Benz: Mehr, als den meisten bewusst ist. Viele Hinterbliebene wissen zum Beispiel nicht, dass sie die Einäscherung des Sarges im Krematorium begleiten können. Viele können sich dies anfangs nicht vorstellen, entscheiden sich jedoch später dafür. Daher ist es wichtig, den Menschen Zeit zu geben und nicht sofort eine Entscheidung zu erwarten. Ich erkläre, was passiert, damit sich die Hinterbliebenen ein Bild machen können.

Eine Familie war unsicher, ob sie eine Erd- oder eine Feuerbestattung für ihren Verstorbenen wählen wollte. Die Hinterbliebenen haben sich bei mir entschuldigt, weil sie so lange überlegt haben. Ich sagte ihnen, dass sie sich Zeit lassen können, bis sie sich sicher sind. Trauernde stecken oft in einem Strudel und meine Aufgabe ist es, für Ruhe und Sicherheit zu sorgen, so dass sie sich der Gestaltung widmen können.

Warum sprechen Sie überhaupt von Zu- statt von Angehörigen?

Benz: Weil Angehörige rechtlich betrachtet nur angeheiratete oder Blutsverwandte sind. Es gibt jedoch viele weitere Personen, die für uns wichtig sind, wie zum Beispiel Freunde oder die Wahlfamilie. Im Begriff „Zugehörige“ finden sich alle wieder.

„Wir haben eine Kaffeetasse in den Sargpräsentiert“

Wünschen Leute, die zu Ihnen kommen, noch einmal eine Möglichkeit, ihre Verstorbenen zu sehen?

Benz: Bei uns fast alle. Dies hängt jedoch auch mit unserem Angebot zusammen. Zu uns kommen viele Menschen, die sich einbringen und selbst gestalten möchten. Viele Angehörige waschen ihre Verstorbenen selbst, legen sie gemeinsam mit uns in den Sarg.

Einmal habe ich eine Frau bestattet, die sich eine Abschiedszeremonie am offenen Sarg gewünscht hat. Dabei sollte ihre Lieblingsmusik gespielt und Kaffee und Kuchen serviert werden. Anfangs waren die Trauernden eher zurückhaltend. Doch im Laufe der Zeit hat sich das gelöst. Wir haben eine Kaffeetasse zu ihr in den Sarg gestellt, es wurde gesprochen und Kuchen gegessen. Dabei wurde gelacht und geweint, es hätte der Frau sicher gefallen.

Das Thema „Tod und Sterben“ ist oft ein Tabu.

Benz: Das ist wahr. Ich denke jedoch, dass sich in diesem Bereich gerade viel verändert. Wenn ich erzähle, was ich beruflich mache, reagieren meine Gesprächspartner oft interessiert. Ich glaube, der Tod ist ein Thema, über das selten gesprochen wird. Gleichzeitig spüren wir, dass es ein wichtiges Thema ist.

Sollten wir offener über den Tod und Sterben sprechen?

Benz: Die Auseinandersetzung mit dem Tod hat immer auch etwas mit dem Leben zu tun. Die Eltern zu fragen, wie sie beerdigt werden wollen, kann etwas sehr Persönliches, Inniges sein. Zum Beispiel beim Spazierengehen, wenn die Mutter sagt: „Die Blumen hätte ich gerne bei meiner Beerdigung.“

Gleichzeitig fällt es vielen Menschen schwer, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Aber wir können dabei gewinnen. Niemand hat das Recht darauf, 80 Jahre hier zu sein. Wir bestatten viele junge Menschen. Ich werde immer wieder daran erinnert, wie schnell alles vorbei sein kann.

Wie wirkt sich das persönlich auf Sie aus?

Benz: Manche mögen vielleicht denken, dass ich jeden Tag lebe, als wäre es mein letzter. Aber jeden Tag aufzuwachen und zu denken: „Es könnte dein letzter sein“, das ist aus meiner Sicht überwältigend. Ich spüre immer wieder Dankbarkeit für das Schöne, das ich erlebe. Das hat sicherlich auch mit meinem Beruf zu tun. Ich bin diejenige, die weiterlebt. Manchmal gehe ich nach Beerdigungen nach draußen, atme durch und denke: Schön, dass ich noch hier bin.

Was ist für Sie eine gelungene Beerdigung?

Benz: Die Beerdigung muss zur verstorbenen Person und auch zu den Trauernden passen. Es geht nicht darum, aus jeder Bestattung ein poppiges Event zu machen. Es muss nicht alles bunt sein. Wenn eine Person eine Beerdigung in dunkler Kleidung und mit christlichen Ritualen möchte, dann ist das in Ordnung. Aber wenn das nicht passt, muss sie anders gestaltet sein.

Beerdigungen sollten so individuell sein wie unsere Leben. Wir hatten bereits Beerdigungen, bei denen die Angehörigen alle selbst gesprochen haben oder auf denen das gegessen wurde, was der Verstorbene mochte. Es gab Seifenblasen, gefaltete Vögel oder Punk-Musik. Meine Aufgabe ist es, herauszufinden, was zur verstorbenen Person passen würde, was ihm oder ihr gefallen hätte und es dann mit den Angehörigen umzusetzen.

„Liebe kann viel ertragen“

Sind Beerdigungen für die Lebenden oder die Verstorbenen gedacht?

Benz: Für beide. Idealerweise entsteht dies von selbst. Die Lebenden müssen nach der Beerdigung weitermachen und da ist es hilfreich, wenn sie diese als stimmig empfinden. Es gibt Menschen, die alles genau für die Zeit nach ihrem Tod festlegen.

Die Lebenden müssen entscheiden, ob sie das so umsetzen wollen. Im besten Fall sprechen alle Beteiligten aber vorher miteinander. Denn: Im Nachhinein können bestimmte Fragen nicht mehr gestellt werden. „Wolltet ihr den grünen Rasen aus Überzeugungoder, da er weniger Anstrengung verursacht? Diese Angelegenheiten sollten zu Lebzeiten geklärt werden.

Welche waren die bewegendsten Momente, die Sie in Ihrem Beruf erlebt haben?

Benz: Es fällt mir schwer, spezifische Momente auszuwählen. Mich berührt es stets, wenn Menschen etwas erschaffen, wenn sie zur inneren Stärke zurückkehren. Wenn ein siebenjähriges Mädchen für ihren Großvater Flöte spielt. Wenn Menschen zögern, den leblosen Körper erneut zu sehen, aber danach glücklich darüber sind, es getan zu haben.

Wenn Eltern den Mut finden, ihre Kinder zur Abschiednahme mitzunehmen. Wenn Kinder verstehen, was der Tod bedeutet, weil sie die verstorbene Person gesehen und berührt haben. Wenn man merkt, dass sie etwas Bedeutendes erkannt haben und in den Abschiedsprozess einbezogen wurden. All das kann sehr rührend sein.

Spielt es in der Trauer eine Rolle, ob man den Verlust „hat kommen sehen“, also zum Beispiel nach langer Krankheit?

Benz: Das kann man nicht verallgemeinern. Im besten Fall finden die Menschen Versöhnung mit dem, was sie durchgemacht haben. Manche wünschten, es wäre anders gewesen. Bei unerwarteten oder gewaltsamen Toden tritt jedoch das Element “Schock” oder “Entsetzen” hinzu, was eine zusätzliche Belastung sein kann. Gerade in solchen Fällen halte ich es für wichtig, dass Angehörige die Gelegenheit erhalten, in Ruhe Abschied vom Verstorbenen zu nehmen, auch wenn der Körper beispielsweise verletzt ist.

Dabei gibt es viele Menschen, die sagen, man soll den Verstorbenen in Erinnerung behalten, wie er war, und einen entstellten Körper, zum Beispiel nach einem schweren Autounfall, nicht mehr anschauen.

Benz: Es ärgert mich, wenn zu so etwas geraten wird. Schließlich kann ich nicht beurteilen, welche Gefühle die Angehörigen hegen. Was soll eine Mutter mit der Aussage “Er ist so entstellt, das wollen Sie nicht sehen” anfangen? Sie hat dennoch Bilder im Kopf und diese sind in der Regel schlimmer als die Realität. Als Bestatterin kann ich Wunden versorgen, verbinden oder abdecken.

Dass der gesamte Körper völlig abstoßend ist, ist äußerst selten. Manchmal reicht es schon, wenn eine Hand sichtbar ist, um zu erkennen: Das ist wirklich mein Mensch, der gestorben ist. Einmal habe ich eine Frau beerdigt, die längere Zeit tot in ihrer Wohnung lag.

Ich habe ihren Kindern, die unbedingt noch einmal nahe bei ihr sein wollten, angeboten, sie in ein Tuch zu hüllen. Auf diese Weise konnten die Kinder noch einmal nahe bei ihrer Mutter sein. Sie haben durch das Tuch gestrichen und das war sehr wichtig für sie.

Es gibt keine Situation, in der nichts mehr machbar ist. Selbst, wenn nur noch Knochen vorhanden sind, kann man sie einhüllen. So ein Angebot kann immer gemacht werden. Und jeder kann selbst entscheiden, ob er das wünscht oder nicht. Dieses “Behalten Sie ihn in Erinnerung, wie er war” finde ich problematisch. Lebendige Menschen kann man schwerlich begraben. Es kann wichtig sein, nochmals Kontakt zum Verstorbenen zu haben, um zu verstehen, dass die Person tot ist.

 

„Niemand kennt seine wichtigsten Personen ohne Leben“

Warum ist das so bedeutend?

Benz: Es ist eine Möglichkeit, sich zu verabschieden, dem leblosen Körper noch einmal nahe zu kommen. Es ist eine Möglichkeit, mit allen Sinnen zu begreifen: Ja, der Mensch, den ich geliebt habe, ist wirklich tot. Viele Angehörige sind nervös oder haben sogar Angst davor. Das ist normal, schließlich kennt niemand seine wichtigsten Personen ohne Leben. Man kann sich nicht vorstellen, wie das sein wird.

Und ja, es ist ein großer Unterschied. Aber es hilft vielen, diesen Unterschied wahrzunehmen. Dabei ist alles erlaubt. Die Leute können sich Zeit nehmen, schauen, ihre Verstorbenenbetasten, wimmern, schreien, still bleiben. Wir erhalten oft Rückmeldungen von den Familien, die wir begleitet haben, dass es gut, bedeutend und sogar schön war, sich zu verabschieden.

Manche Leute sagen, der Körper ist nur die vergängliche Hülle.

Benz: Diese Hülle kann jedoch den Trauernden nahe gewesen sein. Meine Aufgabe ist es, die Familien vorzubereiten. Ich muss ihnen mitteilen, ob jemand Totenflecken hat oder schwer verletzt ist.

Ich erinnere mich an eine Abschiednahme mit erwachsenen Kindern, deren Mutter durch den Tod stark verändert war. Ich habe ihnen detailliert erklärt, wo im Gesicht Verfärbungen sind und wie sie sich verändert hat. Dennoch wollten die Kinder sie sehen. Sie setzten sich dann zu ihrer Mutter, sprachen mit ihr und berührten sie viel intensiver, als ich anfangs dachte. Sie nahmen die Veränderungen wahr, aber sie waren nicht von großer Bedeutung. Es spielt eine Rolle, ob sich Menschen auf den Abschied vorbereitet fühlen.

Nach der Beisetzung geht das Leben irgendwie weiter. Wie gehen wir mit Verlust um?

Benz: Das ist sehr individuell. Der Tod ist eine totale Ohnmacht. Man kann nichts tun, um ihn rückgängig zu machen. Das Gestalten von Dingen hilft jedoch oft, aus der Ohnmacht herauszukommen.

Wie funktioniert der Trauerprozess?

Benz: Jeder Mensch trauert anders. Es gibt verschiedene Facetten, die wichtig sind, ohne Anfang und Ende, ohne klare Phasen. Trauer kann ein sehr langer Prozess sein. Er besteht nicht nur aus Tränen, sondern auch aus Wut, Leere, Lachen, Einsamkeit. Manchmal steht auch die Notwendigkeit im Vordergrund, zu funktionieren, da vielleicht kleine Kinder versorgt werden müssen.

In unserer Gesellschaft gibt es eine Erwartung, wie Trauer aussehen soll. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Ich finde das schwierig. Es wäre schön, wenn wir uns trauen, authentisch zu sein und unsere Gefühle zu zeigen. Manche Menschen können es nicht ertragen, wenn jemand nach zwei Monaten immer noch weint. Aber wenn man Gefühle unterdrückt, verstärken sie sich nur.

Gibt es einen Ratschlag, den Sie Trauernden geben würden?

Benz: Viele Menschen haben das Gefühl, sie sind ungewöhnlich, weil sie nach drei Monaten noch nicht wieder funktionieren oder erleichtert sind, dass die Mutter nach langer Krankheit gestorben ist. Ich sage immer, dass all diese Gefühle normal sind. Ich stelle Fragen, möchte wissen: Was ist das Problem, das du gerade hast, was sind deine Ängste? Wenn man Gefühlen Raum gibt, ist das der erste Schritt, um mit ihnen zurechtzukommen. Ängste sind nicht mehr so bedrohlich, wenn man sie anschauen kann. Das gilt nicht nur in Bezug auf Trauer und Verlust.

„Man kann sich nicht auf den Schmerz vorbereiten“

Wie sollte das Umfeld mit Trauernden umgehen?

Benz: Es ist wertvoll, präsent zu sein und die Trauer mit auszuhalten. Zu erkennen, was Trauernde gerade benötigen. Anzubieten, etwas zu kochen oder etwas zu unternehmen. Wenn Trauernde sagen, dass sie allein sein wollen, dann ist das auch in Ordnung. Sie sollten nicht darum kämpfen müssen. Wichtig ist, präsent zu sein, auch über einen längeren Zeitraum. Viele Menschen vergessen, dass die Trauer nicht nur drei Wochen dauert.

Manche sagen: Wer selbst noch keinen großen Verlust erlebt hat, kann das nicht verstehen.

Benz: Das würde ich nicht unbedingt unterzeichnen. Zeigen Sie mir jemanden, der noch keine Verluste erlebt hat. Manche brechen nach einer Trennung zusammen, andere nach einem Umzug. Das Leben besteht aus Verlusten. Deshalb ist es wichtig, bereits Kindern beizubringen, wie man mit Verlusten umgeht. Ihnen zu zeigen, dass man sie bewältigen kann.

Ich glaube, wir versuchen alles zu messen, um das Leben zu kontrollieren. Deshalb fragen wir: Wie alt war er?War er erkrankt? Doch immer wieder kommen wir zu dem Punkt, an dem klar ist, dass dies nicht funktioniert. Es besteht keine Anzeige, wie schmerzhaft ein Verlust sein kann.

Es ist unmöglich, sich darauf einzustellen. Nicht auf den Schmerz, wenn man eine geliebte Person verliert. Man kann lediglich in Bezug auf die Umstände weniger hilflos sein, indem man im Voraus Dinge bespricht oder darüber nachdenkt, wie ein Abschied aussehen könnte. Darauf kann man sich vorbereiten.

Gemeinsam mit Ihrer Kollegin Katrin Trommler haben Sie das Buch „Sarggeschichten“ verfasst. Warum?

Benz: Weil wir der Meinung sind, dass nach wie vor zu wenig über die Optionen gesprochen wird, die wir haben, wenn ein naher Mensch Abschied nehmen muss. Selbstbestimmung bedeutet, dass Menschen wissen, was sie tun dürfen – und dazu ja oder nein sagen können.

Der Tod lässt uns machtlos und hilflos zurück, aber wenn wir Entscheidungen treffen können und Dinge gestalten, werden wir handlungsfähig. Das kann in Abschiedssituationen sehr unterstützen. Zudem möchten wir zu einer bewussten Auseinandersetzung mit unserer Trauer- und Abschiedskultur ermutigen. Wir glauben, dass wir als Gesellschaft dabei viel gewinnen können.

Das bedeutet, das Buch soll Trauernden Unterstützung bieten.

Benz: Genau. Es eröffnet neue Perspektiven und versetzt Menschen in die Lage, bei zukünftigen Verlusten besser über ihre Rechte und Möglichkeiten informiert zu sein. Und es ermutigt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben und dem der Menschen, die einem nah stehen. Wie stelle ich mir den Abschied von meinen Eltern vor? Wollen wir sie noch eine Weile bei uns zu Hause behalten, bevor das Bestattungsunternehmen kommt und sie abholt? Wollen wir sie selbst in den Sarg legen? Wollen wir den Sarg vorher bemalen? Egal wie und ob diese Fragen für mich beantwortet werden, lösen sie einen Denk- und Gefühlsprozess aus, der für den Abschied enorm hilfreich sein kann.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Benz: Alle Menschen haben irgendeine Vorstellung, sei es der Energieerhaltungssatz, eine Religion oder einfach ein großes Nichts. In dem Moment, in dem wir uns darüber austauschen können, entstehen oft schöne Gespräche. Was nach dem Tod geschieht, wissen wir nicht. Mir sagte mal jemand: Ich glaube, man geht von etwas Bekanntem in etwas Vertrautes. Das fand ich schön. Letztlich denke ich, dass wir nicht auf alle Fragen eine fertige Antwort haben müssen. 

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