Monday, April 15, 2024
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Senior-Paar erzählt: „Wir haben hart gearbeitet – und sind nun schlechter gestellt als Bürgergeld-Empfänger“

Seine Frau ist jetzt auf Pflege angewiesen und die Aussicht auf Sozialhilfe mit Enteignung ist real. Die Bürgergeldempfänger in einer vergleichbaren Lage hätten im Gegensatz dazu ein deutlich höheres „Schonvermögen“.                           

Ein Einwohner von Baden-Württemberg berichtet:

„Ich hatte die ganze Zeit gehofft, dass es nicht so enden würde. Ich dachte, sie würden mir doch ein paar Hundert Euro überlassen. Zumindest genug, um über die Runden zu kommen. 

Doch dann hielt ich die Rechnung vom Pflegeheim in den Händen, in dem meine Frau seit kurzem untergebracht war. Rund 3300 Euro sollte ich bezahlen. Nur für das Zimmer und die Verpflegung, ohne Zusatzleistungen. Und dabei ist das Pflegegeld (Pflegestufe 4) bereits abgezogen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, was 3300 Euro Ausgaben bedeuten, wenn man 3000 Euro Rente hat.

„Seltene Abendessen? Nie. Reisen? Niemals“

Ich war Werkzeugmacher, meine Frau Textilfachverkäuferin, wir haben hart gearbeitet und gleichzeitig sehr sparsam gelebt. Seltene Abendessen? Nie. Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff? Niemals. Wir haben all unser Geld in unser kleines Haus investiert. Für die Gegenwart, damit unsere beiden Kinder ein Zuhause hatten. Und für die Zukunft, als Absicherung. Wir dachten, wenn einer von uns krank werden würde, hätten wir etwas in Reserve. 

Unser Plan sah jedoch anders aus. Ich interessiere mich für Kultur, gehe gerne ins Museum und schätze schöne Landschaften. Auch meiner Frau hätte es gutgetan, nach all den Jahren des Funktionierens einmal rauszukommen. Wir haben schon lange darüber nachgedacht, eine schöne Reise zu machen.

Dann begann meine Frau dement zu werden und schließlich war ich fast rund um die Uhr im Einsatz. Meine Frau kann nicht mehr stehen, nicht mehr gehen und nicht mehr alleine auf die Toilette. Ein Pflegedienst übernimmt die Grundversorgung. Wenn man keine Nacht durchschläft, weil die Partnerin etwa fünf Mal auf die Toilette muss, ist das nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Du musst loslassen, sagten die Kinder irgendwann.

„Meine Frau lebt jetzt im Pflegeheim. Seitdem ist das Konto leer“

Vor knapp zwei Jahren habe ich meine Frau schweren Herzens ins Pflegeheim gebracht. Aber das Loslassen war nicht nur emotional, sondern ich musste mich auch von etwas anderem verabschieden. Bis dahin hatte ich es für selbstverständlich gehalten, das Geld für den Einkauf im Supermarkt vom Konto zu nehmen. Seitdem die Heimrechnung bezahlt war, war das nicht mehr möglich, das Konto war leer. Aber der Kühlschrank auch.

Es fühlte sich seltsam an, vor dem Einkauf erst zur Bank gehen zu müssen, um dann das Schwarzbrot, die Maultaschen oder die Kartoffeln vom Sparbuch zu bezahlen. Ich habe mir vorgestellt, wie lange das so weitergehen könnte – wenn ich schon alleine für den Heimplatz mit 300 Euro im Minus war. Plus Lebensmittel. Plus Nebenkosten. Plus Versicherungen. Etwa ein Jahr, dann wäre das gesamte Ersparte aufgebraucht, habe ich berechnet. Ich wäre in wirtschaftlicher Notlage. Einhundert Jahre lang hatten meine Frau und ich gemeinsam in dieses System eingezahlt, und jetzt das.

Zunächst habe ich versucht, trotz allem Verständnis zu zeigen und zu ertragen. Das Thema Pflege ist kompliziert, immer mehr Menschen werden älter, das Gesundheitssystem ist überlastet. Es ist wohl niemandem direkt die Schuld zuzuweisen. Da müssen wir durch, habe ich zu meiner Frau gesagt und dass es Menschen gibt, die nie wirklich eine Chance hatten und einen besonderen Schutz verdienen.

Einige Monate lang habe ich im Interesse des Gemeinwohls geduldig ausgehalten. Das Einkaufen zum Beispiel, das jetzt fast wie eine Demütigung wirkte. Oder den Anblick vonHeimbewohner, von denen man weiß: Es kommt niemals eine Rechnung vom Altenheim für einen Angehörigen, alles wird direkt vom Amt bezahlt. Zusätzlich erhalten sie noch ein Taschengeld.

Großzügiges Schonvermögen von 40.000 Euro

Im Fernsehen hörte ich von dem Bürgergeld, das von der Ampel-Koalition beschlossen wurde. Besonders für die Regelung bezüglich des Schonvermögens und der Erhöhung des erlaubten Vermögens für Bedürftige fehlt mir jegliches Verständnis. Der Betrag für das erste Jahr des Leistungsbezugs wurde besonders großzügig angehoben. Jetzt dürfen Personen, die Hilfen beziehen, 40.000 Euro behalten. Hingegen wird einem Ehepaar wie uns nur 10.000 Euro pro Person zugestanden.

Dass Personen wie meine Frau und ich, die über viele Jahre in die Sozialversicherung eingezahlt haben, am Ende kaum etwas erhalten, ist das eine. Doch dass jemand, der nie einen einzigen Cent eingezahlt hat, am Ende sogar mehr bekommt, ist unverständlich.

Wir haben zwei Kinder, denen wir gerne etwas hinterlassen würden. Und jetzt? Wenn das Ersparte aufgebraucht ist, wird das Haus zwangsversteigert und der Erlös von den Ämtern eingezogen. Ich könnte zwar hier wohnen bleiben, aber nach meinem Ableben wäre nichts mehr übrig. Das bedeutet: Meine Kinder erben nichts. Auch meine Tochter, die ein schwerstbehindertes Kind hatte, das sie 28 Jahre lang gepflegt hat und deshalb eine sehr geringe Rente bezieht. Ist der Politik bewusst, was das für den sozialen Frieden bedeutet, wenn bei Bedürftigkeit nicht ehrlich hingeschaut wird und Bevölkerungsgruppen – sei es gewollt oder ungewollt – gegeneinander ausgespielt werden?

„Politiker haben meine Briefe mit Standardschreiben beantwortet“

All meine zahlreichen Briefe an Politiker von Habeck über Lindner und Esken bis hin zum Kanzler wurden mit Standardschreiben beantwortet. Niemand konnte mir einen Grund für die schändliche Ungerechtigkeit in Bezug auf das Bürgergeld und das Schonvermögen nennen. Zur Belastung durch finanziellen Druck, Würdelosigkeit und Zukunftsangst gesellt sich irgendwann die Wut, und ich möchte gar nicht wissen, wie es weitergegangen wäre, wenn es nicht völlig unerwartet diesen Hoffnungsschimmer gegeben hätte.

Dank neuer Medikamente geht es meiner Frau seit einigen Wochen besser. Es ist schön, sie wieder zu Hause zu haben und ein Team zu bilden, das versucht, ihre fünf Toilettengänge und meine drei Toilettengänge Nacht für Nacht zu synchronisieren.

Es ist schön – doch es wäre unaufrichtig, die Freude nur auf uns beide zu beziehen und nicht auf finanzielle Aspekte.

Seit das Altenheim keine Rechnungen mehr ausstellt, drehen sich meine Gedanken nicht ständig um ein drohendes Szenario von Sozialhilfe, und der Gang zum Supermarkt ist nicht mehr so beängstigend. Zumindest fast nicht. Denn natürlich weiß ich, dass sich alles jederzeit wieder ändern kann, und zwar sehr kurzfristig.

Dagegen scheint die Lösung bezüglich des Schonvermögens festgelegt zu sein. So wollte es die Ampel, so geht dieses Land in die Zukunft.“

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