Tuesday, April 16, 2024
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„Davidstern-Skandal“ um Musiker: Ofarim-Gutachten verursachte über 5300 Euro – er hat selbst noch keinen Cent bezahlt

Es fungierte als Dreh- und Angelpunkt im Strafverfahren gegen den jüdischen Musiker Gil Ofarim (41) am Landgericht Leipzig: Das umfassende Gutachten des bekannten Digital-Forensikers Dirk Labudde, bestehend aus 150 Seiten.

Der 57-jährige Dozent an der Hochschule Mittweida in Sachsen analysierte Videoaufnahmen aus dem Leipziger „Westin“. Dabei wurden Szenen von Ofarim am 4. Oktober 2021 vor und im Hotel betrachtet.

Die Untersuchung des Materials ergab, dass der Sänger an jenem Abend keine Kette mit Davidstern-Anhänger offen vor der Brust trug. Damit wurde Ofarims Behauptung widerlegt, er sei von einem Hotelangestellten antisemitisch beleidigt worden.

Untersuchung der Davidstern-Kette überführte Ofarim der Täuschung

Ofarim hatte in einem millionenfach geklickten Instagram-Video behauptet, ein Hotelmanager habe ihn mit den Worten „Packen Sie Ihren Stern ein!“ diskriminiert. Die Videoauswertung überführte Ofarim der Lüge, da er keinen sichtbaren Davidstern um den Hals trug.

Am 6. Verhandlungstag gab der Angeklagte seine infame Lüge zu. 

Unmittelbar nach Ofarims Geständnis und der vorläufigen Einstellung des Verfahrens durch das Landgericht Leipzig rückten die Kosten des Prozesses ins Rampenlicht. Medien spekulierten über üppige Anwaltshonorare und horrende Kosten für die Ermittlungsbehörden, doch konkrete Zahlen blieben Mangelware.

FOCUS online hat recherchiert und unter anderem bei Digital-Forensiker Labudde nachgefragt, was seine Tätigkeit als Gutachter im Fall Ofarim gekostet hat. Antwort: „Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 5320 Euro.“ 

Untersuchung durch Digital-Forensiker verursachte 5320 Euro

Die Summe umfasst die Analyse der Videosequenzen vom 10. November 2021 sowie die Nachstellung der entscheidenden Situationen am 6. Dezember 2021 im „Westin“-Hotel. Beide Komplexe sind in dem 150-seitigen Gutachten zusammengefasst. 

Zusätzlich musste Labudde eine Stellungnahme zu einem „Gegengutachten“ abgeben, das Ofarims Pflichtverteidiger in Auftrag gegeben hatte.

Nach Labuddes Angaben leitete die zuständige Fakultät für Angewandte Computer- und Biowissenschaften an der Hochschule Mittweida die entsprechenden Rechnungen im Februar 2022 an die sächsischen Ermittlungsbehörden weiter. Die Forderungen seien „bereits bezahlt” worden, so der Professor zu FOCUS online.

Im April 2022 überwies die Leipziger Polizeidirektion dem Sachverständigen 2570,40 Euro. Die Leipziger Staatsanwaltschaft zahlte für das Gutachten „annähernd 2800 Euro”, wie Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz an diesem Donnerstag gegenüber FOCUS online bestätigte. Exakt waren es 2748,90 Euro.

Derweil sind beim Landgericht Leipzig noch keine Kostenanträge von Rechtsanwälten oder Sachverständigen eingegangen, die am Ofarim-Verfahren beteiligt waren. Anders verhält es sich bei den Zeugen. Gerichtssprecher Johann Jagenlauf zu FOCUS online: „Mehrere Zeugen haben Anträge für ihre Auslagen gestellt. Bislang sind dafür Zahlungen in niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich geleistet worden.“

Jagenlauf bestätigte somit, dass die Kosten des Verfahrens zunächst von der sächsischen Justizkasse übernommen werden. 

Noch keine Beschlussfassung über Ofarims Beteiligung an Kosten

Eine endgültige Kostenentscheidung – und damit eine mögliche finanzielle Beteiligung Ofarims – könne jedoch erst „bei Abschluss des Verfahrens“ getroffen werden. Jagenlauf: „Das Gericht wird zunächst zu prüfen haben, ob das Verfahren eingestellt werden wird oder – bei Nichtzahlung der Auflage – nochmals verhandelt werden muss.“

Der Gerichtssprecher erklärte gegenüber FOCUS online, dass Gil Ofarim die gegen ihn verhängte Geldauflage von 10.000 Euro noch immer nicht bezahlt hat.

Nach seinem Geständnis hatte das Leipziger Landgericht das Verfahren gegen Ofarim am 28. November 2023 vorläufig eingestellt. Der jüdische Musiker erhielt die Auflage, innerhalb von sechs Monaten insgesamt 10.000 Euro zu zahlen zugunsten der Jüdischen Gemeinde Leipzig und dem Trägerverein des Hauses der Wannseekonferenz. Erst dann ist das Verfahren gegen den 41-Jährigen endgültig beendet.

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