Monday, April 15, 2024
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Feuchtgebiet trocknet aus: Warum Aldi und Lidl ein spanisches Naturparadies retten möchten

Ein harter Wettstreit ist entfacht um den Nationalpark Coto de Doñana im Südwesten Spaniens: Die spanische Regierung bemüht sich seit Jahren darum, die Wasserressourcen im Naturschutzgebiet zu schützen. Auf der anderen Seite kämpfen bedeutende internationale Konzerne und Landwirte um die Entwicklung der Region.

Konflikt um das Wasser in spanischem Naturschutzpark

Ein langanhaltender Kampf um die Auslegungshoheit in diesem spanischen Naturschutzgebiet, das sich nahe Sevilla befindet, hält bereits seit Jahren an. Der Coto de Doñana bildet Spaniens größtes Feuchtgebiet und ist bedeutend für Zugvögel, die auf ihrem Zug nach Afrika dort verweilen. Es ist auch das Zuhause gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Säugetiere wie dem Iberischen Luchs.

Eigentlich sollte der Coto de Doñana bereits in den 1960er-Jahren für die Landwirtschaft trockengelegt werden. Doch Naturschützer, darunter der kürzlich gegründete WWF, mobilisierten eine Kampagne, die dazu führte, dass das gesamte Areal in den folgenden Jahrzehnten nach und nach zum Naturschutzpark erklärt wurde. Das gegenwärtige Gebiet umfasst etwa 130.000 Hektar.

Dennoch war die Diskussion um die landwirtschaftliche Nutzung damit nicht beendet: Trotz des Schutzstatus kam es in den vergangenen Jahren zu einer zunehmenden und größtenteils illegalen Wasserentnahme – bis der Park Anfang 2022 vollkommen austrocknete. Es ist unklar, ob sich die Feuchtgebiete und die zugehörige Tierpopulation davon erholen können. Die größten Seen im Park weisen laut einer Untersuchung der spanischen Tageszeitung „El Pais“ bereits seit 2013 zu niedrige Wasserstände auf. Die Europäische Union hat das Areal sogar von ihrer Liste geschützter Gebiete gestrichen – weil die notwendigen Bedingungen nicht mehr erfüllt sind, so heißt es.

Lidl & Co. protestieren gegen Vorschlag von Andalusien

Vor diesem Hintergrund hat sich die spanische Regierung darauf geeinigt, 1,4 Milliarden Euro in den Schutz des Parks zu investieren. Dabei sollen auch die örtlichen Landwirte profitieren, da der Coto de Doñana in den letzten Jahren zu einem der größten Anbaugebiete für Beeren geworden ist – Früchte, die vor allem in ganz Europa exportiert werden, unter anderem auch nach Deutschland. Jährlich werden Beeren im Gesamtwert von 800 Millionen Euro exportiert. Die Landwirte sollen finanzielle Unterstützung erhalten, um weniger wasserintensive Pflanzen anzubauen und das Ackerland aufzuforsten. Auf diese Weise will die Regierung die Landwirte auch unabhängiger vom Erdbeeranbau machen.

Die Regierung hat den Bauern zwölf Monate Zeit gegeben, um illegale Wasserentnahmen zu unterbinden und alternative Lösungen zu finden. Eine Art von Begnadigung also. Der Druck der Regierung ist ein erhebliches Problem für die örtliche Landwirtschaft. Denn kurz zuvor hatte die andalusische Regierung vorgeschlagen, mehr Land für die Bewässerung bereitzustellen und eine bedeutende Erdbeerfarm zu errichten – ein Vorschlag, gegen den sogar bedeutende Supermarktketten wie Lidl und Aldi protestierten. Zusammen mit weiteren britischen Supermarktketten wie Tesco warnten die Unternehmen die andalusische Regierung davor, den Ruf und die langfristige Entwicklung des Coto de Doñana zu gefährden.

Umweltministerin Spaniens warnt vor Gelbwesten-Falle

Das sogar bedeutende Supermarktketten, die eigentlich von den landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Region profitieren, gegen den Vorschlag aufbegehren, spricht Bände. Bereits 2022 hatte es schon heftige Proteste gegeben.gegen eine beabsichtigte Erdbeerplantage – und zwar nicht nur von der EU oder Umweltschützern, sondern auch von Supermärkten.

Sind die Bauern dort also wirklich auf dem Holzpfad? Das ist nicht so einfach, da das Gewerbe dort über Jahrzehnte unterstützt wurde und die Behörden ebenfalls nicht entschieden gegen die illegale Wasserentnahme vorgegangen sind. Das ist auch der spanischen Umweltministerin Teresa Ribera bewusst. Sie betonte gegenüber dem britischen „Guardian“ am Mittwoch, dass man gemeinsam Lösungen finden müsse. Die Bauern vor Ort stehen auch unter wirtschaftlichem Druck.

Ribera: Europawahl 2024 entscheidendste Wahl für den Umweltschutz

Ribera warnte davor, Regelungen zum Schutz der Feuchtgebiete ohne Einbeziehung der lokalen Bevölkerung einfach umzusetzen. Dadurch entstehen, so Ribera, letztendlich Protestbewegungen wie die Gelbwesten in Frankreich oder die Landwirte in den Niederlanden, die entschieden gegen neue Regeln zum Schutz der Böden kämpfen.

Initiativen wie der 1,4-Milliarden-Euro Deal sollen helfen, Bauern unabhängiger zu machen und auf einen nachhaltigeren, weniger wasserintensiven Anbau umzustellen. Für Umweltministerin Ribera sind die anstehenden Wahlen für das Europäische Parlament im Juni die bedeutendsten Wahlen. Dort entscheidet sich, wie viel Bewegung für den Schutz von Naturschutzgebieten wie der Coto de Doñana bleiben wird.

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