Sunday, April 14, 2024
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Former Teacher Speaks Out: “We cannot genuinely anticipate skilled workers to emerge from this”

FOCUS online: Mr. Taylor, before transitioning to the private sector and relocating abroad in 2013, you were a teacher at primary, secondary, and comprehensive schools for five years. We will address the reasons for your departure shortly. First, does the current PISA shock come as a surprise to you?

Tayfun Taylor: Quite the contrary. Even during my time, it was blatantly evident that something was fundamentally amiss. Everyone could feel it, and one did not need to be a teacher to comprehend that there is a fundamental issue at hand. The greatest asset we have in Germany is knowledge. We have no other natural resources to offer. The PISA results are not just embarrassing for the culturally rich nation of Germany; they jeopardize the future of our country. The topic of skills shortage is on everyone’s lips these days. We need experts, that is a fact. But how can we obtain them when the school system is effectively the antithesis of effective knowledge transfer and everyone is being funneled through the same narrow path? We cannot genuinely anticipate skilled workers to emerge from this.

It seems that other European countries are doing things much better here…

We should be cautious with hasty comparisons. Who are we measuring ourselves against? Take Scandinavia, for instance. The average class sizes have always been much smaller here, and significantly more money has been invested in education. This means that crucial structural differences existed here even over 20 years ago, when the first PISA shockwave hit the country, and even before that. The question is: what has led to individual students in Germany performing increasingly poorly over the past 20 years? I do not intend to sugarcoat the PISA results; we certainly have a problem. However, we must also consider the circumstances under which the results are produced, which are now being intensively discussed once again.

Students are prepared for PISA tests

What circumstances are you referring to?

The comparative tests, on which the results are based, are additional examinations. These tests add extra pressure, not only for the students but also for the schools. Although it is always said that the students should take the comparative tests unprepared, this is wishful thinking. In my experience, the classes are, of course, prepared for these tests. After all, the schools do not want to embarrass themselves. All in all, the PISA results depict a rather distorted story.

Nevertheless, you yourself just confirmed that there is a problem in schools. What should we address first? The shortage of teachers?

In my opinion, this issue is completely exaggerated. I recently read that the employment rate is still relatively good at over 98%. I wanted to investigate this further and, just for fun, I proactively applied to a few schools. I am a fully qualified teacher with completed teacher training and several years of professional experience. I taught economics, sports, and German and could be deployed immediately in these subjects…

“I received absolutely no response. From any school!”

Interjection: How does one apply as a teacher?

As a newcomer through specific portals. However, there are also lists through which one can directly apply for teaching positions. With my qualifications, this made sense. I approached a handful of schools. Let’s see to what extent I received a reply from there.rote Teppich ausgerollt wird, kam mir in den Sinn…

Und?

Es hat sich überhaupt nichts ereignet. Nicht nur wurde ich nicht mit der Limousine abgeholt – angesichts des Problems, das in der Öffentlichkeit so dringend dargestellt wird, hätte man das fast erwarten können – es gab überhaupt keine Rückmeldung. Von keiner einzigen Schule! Also nochmal: Die ständige Leier vom Lehrermangel verfehlt aus meiner Sicht das eigentliche Problem.

Woran krankt Schule wirklich?

Meiner Meinung nach ist das größte Problem, wie Wissen vermittelt wird. Durch eine Art Trichter-Lernen, nämlich. Die Schüler erhalten den Stoff eingetrichtert. Und zwar so, dass er kurzfristig für Tests abrufbar ist – aber direkt danach ist das meiste auch schon wieder vergessen.

Ist es nicht angebracht, dass die Lehrkräfte das Wissen anders und lebendiger vermitteln?

Das wäre schön, wenn es so einfach wäre. Dann wäre ich vielleicht heute noch Lehrer. Aber das Eintrichtern erfolgt nach strengen Vorgaben: es gibt Lehrpläne. Hinzu kommt, dass eine bestimmte Anzahl an Klassenarbeiten geschrieben werden muss. Wenn drei Klassenarbeiten pro Halbjahr vorgeschrieben sind, kannst du als Lehrer nicht einfach sagen, wir schreiben nur eine. Der Druck ist immens. Ganz ehrlich, darauf war ich nicht vorbereitet, als ich von der Uni kam. Mir ging es wie vielen Neu-Lehrern: ich hatte ganz viele tolle Ideen, habe fürs Unterrichten gebrannt. Ich wollte endlich all das tun, was ich an der Hochschule gelernt hatte: mehr Gruppenarbeit, freiheitliches Lernen… 

Ist der Einstieg ins Berufsleben nicht immer ein Stück weit ein Realitätsschock?
 

An der Schule ist es extrem, glaube ich. Nicht ohne Grund sind die Burn-Out-Raten bei Lehrkräften besonders hoch. Ich muss da meine früheren Kolleginnen und Kollegen wirklich in Schutz nehmen.

„Die Schüler sind an letzter Stelle schuld an dem, was an den Schulen schiefläuft“

Ein viel gehörter Kritikpunkt ist die mangelhafte digitale Ausstattung der Schulen.

Ich hatte nie ein Problem mit den Schülern. Natürlich gibt es welche, die schwierig sind. Das war schon immer so. Eins möchte ich ganz klar sagen: Die Schüler sind an letzter Stelle schuld an dem, was an den Schulen schiefläuft. Schuld wäre ohnehin der falsche Begriff. Ein Teil des Problems, das wir haben, hängt mit Social Media zusammen, ist also hausgemacht. Meine Haltung ist hier ganz klar: Hier müssten dringend mehr Grenzen gesetzt werden!

Ein viel gehörter Kritikpunkt ist die mangelhafte digitale Ausstattung der Schulen.

Dies sehe ich ganz anders. Für mich sind die Schulen überdigitalisiert. Achtung: Wir reden hier wirklich über die digitale Ausstattung, nicht über das Thema Ausstattung allgemein, da ist durchaus Luft nach oben. Im Moment haben wir das Problem einer ganzen Generation, die mit TikTok aufwächst und entsprechende Inhalte teilweise exzessiv konsumiert. Wenn ein Kind mehrere Stunden täglich diese Shortclips schaut, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn seine Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird. In China ist TikTok übrigens seit einiger Zeit limitiert. Auch Trash-Inhalte sind dort für Schüler angeblich mehr und mehr verboten. Ich gehe davon aus, dass chinesische Schüler eine bessere Aufmerksamkeit haben und derzeit auch eine bessere Bildung genießen.

Wieso haben Sie den Lehrerberuf aufgegeben?

Nur fünf Tage, nachdem ich meine Verbeamtung auf Lebenszeit erhalten hatte, sollte man vielleicht erwähnen. Denn wer wünscht sich in diesen zunehmend unsicher werdenden Zeiten sowas nicht? Mein Problem war die fehlende Sinnhaftigkeit des Tuns. Vor allem, wenn ich mich im Kollegium umgeschaut habe, hat mich das nachdenklich gemacht. Unter 30 Lehrkräften findest du maximal zwei, die trotz der Belastung einigermaßenbeständig und in guter Stimmung. Bei den Älteren wird die Luft dünn. Das wollte ich nicht sein. Wenn 80 bis 90 % der Inhalte, die zu vermitteln sind, für Kinder uninteressant sind, dann führt das zwangsläufig dazu, dass man erschöpft wird.

Können Sie eine Veranschaulichung geben?

Kurvendiskussionen. Die meisten Kinder sind daran überhaupt nicht interessiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass es in Mathe keine faszinierenden Lerninhalte gibt. Zum Beispiel könnte ich den Kindern erlauben, ein Haus aus Lego zu bauen und dann lasse ich sie die Flächen berechnen. Wenn der Lehrplan nur dafür Zeit lassen würde. Das Eintrichter-Lernen kümmert sich nicht darum, ob und wie Schüler Freude am Lernen empfinden. Auch die Tatsache, dass sich das Wissen aktuell dank KI und Co jährlich mindestens verdoppelt oder verdreifacht, wird ignoriert. Was in der Schule an Inhalten vermittelt wird, hat wenig Bezug zur Realität des Lebens.

„In der Grundschule haben die meisten noch Freude am Lernen“

Wie könnte man es anders machen?

Man sollte sich stärker auf Grundlagen konzentrieren. So wie es in der Grundschule geschieht, mit genau diesen Fächern. An den Grundschulen haben die meisten Kinder noch Spaß am Lernen. Das Problem beginnt oft, wenn ein Kind Dinge lernen soll, die weder der eigenen Begabung noch den eigenen Interessen entsprechen. Wie viele Schüler quälen sich mit Physik oder Chemie! Oder auch mit Sprachen. Mit einer Fünf in Französisch und Englisch komme ich nicht durch die Schule, auch dann nicht, wenn ich mathematisch und naturwissenschaftlich ein Genie bin. Was soll das? Nochmal: Wir brauchen Fachkräfte, wieso legen wir dann so viel Wert aufs Gleichmachen in der Schule und gießen mit der Gießkanne alle Blumen mit gleich viel Wasser, wenn doch bei einigen weniger mehr ist und andere mehr benötigen?


Sind Sie also für eine frühe Spezialisierung?

Lassen Sie uns lieber von Wahlfächern sprechen. Ja, die Schüler sollten früher wählen können, in welche Richtung sie gehen wollen. Und noch etwas anderes wäre wichtig. Das „Lernen, wie man lernen kann“ kommt viel zu kurz. Salopp gesagt: Ich brauche nicht alles wissen zu müssen. Aber ich muss wissen, wo ich Wissen herbekomme. Ich selbst erinnere mich noch gut daran, wie wir in Bio den Frosch durchgenommen haben. Ich konnte den Stoff bis ins Detail. Dieses Wissen habe ich später nie wieder gebraucht. Aber wenn ich es bräuchte, wüsste, wie ich Zugang bekomme, welche guten Quellen es gibt und wie es gelingt, den Fake rauszufiltern. Das ist doch entscheidend.

Insgesamt klingen Sie so, als wären Sie für eine grundlegende Umgestaltung des Systems?

Das System ist in seiner jetzigen Form am Ende.

Und jetzt? Wer ist am Zug?

Die Verantwortung liegt bei denen, die verantwortlich sind. Wie bei einer Firma, da ist der Chef verantwortlich. Am Ende des Tages sind es die Bildungsminister, die sich bewegen müssen. Richtig bewegen. Zuletzt hören wir immer wieder Äußerungen wie, das Problem sei Corona. Oder auch: Die gestiegene Migration. Das mag im Einzelnen ja alles stimmen, aber das Problem hat vorher angefangen und hat mit falscher Prioritätensetzung zu tun. Schauen Sie, der Bund stellt ein Sondervermögen von200 Milliarden € für Rüstung bereit.

Worauf wollen Sie hinaus?

Für Bildung gibt es kein Sondervermögen. Null Euro. Ist doch logisch, was passiert, wenn wir 200 Milliarden € in Rüstung stecken und null Euro zusätzlich in Bildung …

Was denn?

Wir bekommen hirnlose Soldaten. Wie sagte einst Nelson Mandela schon? „Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern.“ Das bringt es auf den Punkt. Also: Mehr Geld für Bildung, weniger für Waffen.Besonders beunruhigend angesichts der aktuellen PISA-Ergebnisse ist meiner Ansicht nach, dass sich die Kluft in den schulischen Leistungen zwischen bildungsaffinen Gesellschaftsschichten und Schülern aus sozial benachteiligten Haushalten in Deutschland immer weiter vergrößert. Das ist skandalös.

„Mehr Vergnügen anstelle von Vokabeln büffeln“

Sind Sie der Meinung, dass mehr Finanzmittel in die Bildungseinrichtungen fließen sollten?

Auf jeden Fall. Obwohl der Etat für Bildung im aktuellen Jahr bereits um 5,3 % erhöht wurde, ist laut Berichten nur knapp die Hälfte des Geldes tatsächlich in die Schulen geflossen. Aber wofür genau? Ich bin ehrlich gesagt sehr misstrauisch.

Wo sollte man investieren?

Zunächst benötigen wir dringend kleinere Klassen. Die Aufmerksamkeitsspanne ist hierbei ein offensichtliches Problem, und Erfahrung zeigt, dass kleinere Klassen viel bewirken können. Aber dafür werden natürlich mehr Lehrer benötigt. Die strukturellen Rahmenbedingungen sind daher entscheidend. Ebenso wichtig ist, wie bereits erwähnt, eine grundlegend andere Lernweise. Weniger Frontalunterricht, mehr Praxis und dadurch oft automatisch mehr Vergnügen. Wir sollten das Budget für Lehrmaterialien aufstocken. Mehr Bastelmaterial, Lego, ein erhöhter Etat für kreative Werkzeuge… alles, was die Freude am Lernen weckt. Wir sollten die Sporteinrichtungen besser ausstatten und den Kindern mehr Gelegenheiten zur Bewegung bieten. Ich plädiere für mindestens vier Stunden Sport pro Woche, im Gegensatz zu den aktuellen zwei. Insgesamt befürworte ich kreativere Konzepte. Wir sollten Experten aus der Wirtschaft in die Schulen holen. Autodidaktische Lernformate müssen viel stärker gefördert werden – und im Gegenzug auf das altbekannte akademische Lernen von Fremdsprachen verzichtet werden – Stichwort Vokabeln büffeln. Unausstehlich… Ich selbst spreche fließend Englisch. Und ich werde Ihnen etwas verraten: Das habe ich nicht in der Schule gelernt!

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