Tuesday, April 16, 2024
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Analyse von Ulrich Reitz : Habeck fordert Firmenführer – es klingt wie eine alternative Überzeugung

Der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verlangt von den deutschen Unternehmen “Standortpatriotismus”. Und die deutschen Unternehmen behaupten, sie hätten diese Regierung nach nur zwei Jahren aufgegeben. Nur eine Version kann korrekt sein – welche?

Zunächst einmal: Robert Habeck ist vielleicht nicht die passende Person, um über “Patriotismus” zu sprechen. In patriotischen Momenten – wie etwa als der Bundestag im vergangenen Juni der Niederschlagung des DDR-Aufstandes gedachte – sang Habeck nicht die Nationalhymne. Als einziger Minister. Im Gegensatz zu seiner grünen Parteikollegin Annalena Baerbock und seinem grünen Ministerkollegen Cem Özdemir. Hinterher sagte Habeck, er war zu “ergriffen”, um mitsingen zu können; noch einmal: als einziger, sogar unter Grünen?

Habeck verfasste über Vaterlandstreue

Und in seinem Buch über einen “linken Patriotismus” aus Verfassungstreue und Internationalismus erläuterte Habeck schon vor Jahren, warum er Vaterlandsliebe “stets zum Kotzen” fand: “Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.”

In der Tat kann man auch wie der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann der Ansicht sein, ein Gefühl wie Liebe gebührt weniger einem Land als vielmehr seiner Frau, aber: Dann sollte man auch nicht versuchen, andere über ihre Gefühle zu belehren – und ihre Pflichten, Geld auszugeben. Denn es ist ihr Geld.

Und besonders nicht, wenn diese Gefühle dann auch noch teurer bezahlt werden müssen – und zwar, weil die Bundesregierung mit Robert Habeck zu diesem teuren Bezahlen viel beigetragen hat. Kurz gesagt: Habecks Appell an die deutsche Unternehmerschaft, “Standortpatriotismus” zu zeigen, hat etwas von einem “blame game” – der Minister sucht die Schuldigen für die deutsche Wirtschaftsmisere bei anderen, denen er unterstellt, die falsche Gesinnung an den Tag zu legen. In kriminalistischen Zusammenhängen spricht man in solchen Fällen von einer “Täter-Opfer-Umkehr”.

Die deutsche Wirtschaft erlebt gerade nicht das von der Ampelregierung versprochene “grüne Wirtschaftswunder”, sondern wegen der steigenden Energiepreise und der ausufernden Sozialleistungen ihr blaues Wunder (was keine Anspielung ist auf die nach wie vor hohen Umfragewerte der AfD).

Viele kleine, aber auch gar nicht mehr so mittlere Unternehmen würden in diesem Jahr aus dem Markt verschwinden oder, falls sie es könnten, abwandern ins Ausland, befürchtet das “Handelsblatt”. Dorthin, wo Energie nicht durch staatliche Entscheidungen derart verteuert wurde wie in Deutschland. In den USA und China kostet Energie ein Drittel der deutschen Preise, und wenn man als Unternehmen international unterwegs ist und also die Margen knapp sind, kann man diesen “energy gap” kaum überleben.

Ampel-Argument hat keine praktische Relevanz

Die Ampelregierung hatte zugesagt, die Kosten für den Ausbau der Stromnetze einzudämmen. Jetzt stehen die dafür bestimmten 5,5 Milliarden Euro nicht mehr zur Verfügung. Die Netzagentur hat daraufhin ihre Preise verdoppelt, die die Unternehmen nun zahlen müssen, was die Rechnung im Mittelstand auch einmal um fünfstellig erhöhen kann.  

Zum Vergleich: Ein amerikanisches Chip-Unternehmen erhält zehn Milliarden Euro an Regierungs-Subventionen. Die Begründung ist hochpolitisch: Damit man bei der Chip-Produktion nicht so abhängig wird von China wie einst beim Öl und beim Gas von Russland. Theoretisch ist dieses Argument nachvollziehbar, es hat nur keine praktische Relevanz.

Ein “Decoupling” von China wäre praktisch gleichbedeutend mit dem Tod der deutschen Wirtschaft, manwill officially only an “de-risking,” which also means: dependency on China remains. This does not fit with the morally charged tone with which the green foreign minister meets the Chinese government – worsening the Berlin-Beijing relationship without being able to change anything in China.

Subsidies are also provided to the steel industry, which “reciprocates” with the introduction of the four-day week. Subsidies are paid from tax revenues, there is indeed a state, but it does not have a wallet. It is only a trustee of the sums provided by the citizens. Never before has a government had to be reminded so consistently.

Germany says: Support first

“The comprehensive-insurance state is no longer financially viable,” says employers’ president Rainer Dulger – and points the finger at the federal government. Rightly so. Just the drastic increase of the citizen’s allowance by more than 20 percent – now costing the federal budget 24 billion euros: Someone who receives the citizen’s allowance not only receives the citizen’s allowance, but also has the rent and heating paid for and more, and if it concerns families, also a child supplement.

More and more people, including celebrities like the Mayor of Tübingen, Boris Palmer, are doing the math – and realizing: For a family with an income of three to five thousand euros, working is hardly worthwhile. In terms of social justice, this is the wrong signal. 

It also explains why so few Ukrainian refugees work in Germany, and why there are so many elsewhere who do – in the Netherlands, in Denmark. These countries simply say: Work first. Germany says: Support first. And after this has not worked, the state then switches to “job turbo.”  

Robert Habeck is now considering whether “he” – meaning the state, hence the taxpayer – should rescue a large solar company that is no longer competitive in the market against Chinese competition. Behind this stands, as with Intel, the belief in a powerful state whose task is to steer the business.

Habeck’s favorite economist is Mariana Mazzucato, and she sees the state in relation to the economy not as an arbiter, but as a playmaker. The Minister of Economic Affairs as the state’s economic captain is obviously Habeck’s role model. He is not deterred by objections, for example from the entrepreneurs in Germany, with whose money he deals.

Habeck sounds (replacement) religious

Habeck says, “we” must come to a different, more positive attitude and say: “So, now is enough, let’s roll up our sleeves and believe in this country, believe in the people in this country.” It sounds (replacement) religious, and perhaps Habeck means it that way somehow.

To conclude, a note: Economy takes place in the economy. Wanting to link sinfully expensive investment decisions of companies to a patriotic attitude that is simultaneously driven out by constant new hardships, might be too much of a good intention.

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