Monday, April 15, 2024
Google search engine
HomeWirtschafts-News„Unvermindert höhere Gaspreise": Biden plötzlich dreht den Gashahn zu – was das...

„Unvermindert höhere Gaspreise”: Biden plötzlich dreht den Gashahn zu – was das für Deutschland bedeutet

Derzeit regelt Joe Biden plötzlich den Gashahn. Trotz der Tatsache, dass Flüssiggas (LNG) aus den USA die Bundesrepublik unabhängig von russischem Erdgas versorgen sollte, macht die US-Regierung den Gas-Hoffnungen der Ampel einen dicken Strich durch die Rechnung. Das Weiße Haus gab Ende Januar bekannt, dass einige der geplanten Exportgenehmigungen gestoppt werden. Während auf der Ostseeinsel Rügen erbittert um den Bau neuer LNG-Terminals gestritten wird, scheint die US-Regierung Fakten zu schaffen.

Bundesregierung beobachtet den Gasmarkt genau

„Beständig steigende Gaspreise könnten die Folge sein“, mahnt bereits Malte Küper, Energieexperte am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Die Biden-Regierung will nun untersuchen, wie sich die LNG-Exporte auf Umwelt, Energiekosten und die Energiesicherheit der USA auswirken. Sollten die Vereinigten Staaten den bereits geplanten Bau neuer LNG-Terminals an der Atlantikküste stoppen, „würde dies die langfristige Versorgungssicherheit deutlich verschlechtern“, so Küper zu FOCUS online. Kurzfristig sind zunächst keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland zu erwarten.

Die US-Regierung versuchte sofort, die Sorgen aus Europa zu beschwichtigen. „Die heutige Ankündigung wird sich nicht auf unsere Fähigkeit auswirken, unsere Verbündeten in naher Zukunft weiterhin mit LNG zu beliefern“, hieß es in einem Statement . Die Antwort aus dem Bundeswirtschaftsministerium klingt zumindest besorgt. „Wir beobachten die Lage genau“, teilte eine Sprecherin gegenüber FOCUS online mit. „Die Bundesregierung steht im Austausch mit der US-Regierung zu diesem Thema. Die Versorgungssicherheit ist weiter gewährleistet. Der Terminmarkt ist bislang von der Entscheidung der US-Regierung nicht beeindruckt.“

Woher stammt eigentlich unser Gas?

Das Wörtchen bislang ist hier entscheidend. Denn die USA sind einer der Hauptversorger Europas mit LNG. Im dritten Quartal 2023 stammte fast die Hälfte des importierten Flüssiggases in der EU aus den USA. Mit großem Abstand folgen Katar (14 Prozent), Algerien (10 Prozent) und weiterhin Russland (9 Prozent).

Deutschland bezog zwischen dem 1. Januar 2023 und dem 25. Januar 2024 mit 83 Prozent den weitaus größten Anteil seiner LNG-Importe aus den USA. Diese Zahlen teilte der Energiewirtschaftsverband (BDEW) mit. Beim Blick auf die gesamten Erdgas-Importe bleiben LNG-Lieferungen allerdings noch in der Unterzahl. Laut Bundesnetzagentur betrug der Anteil von LNG an allen deutschen Gasimporten im Dezember 2023 sieben Prozent.

Das meiste Erdgas strömte per Pipeline aus Norwegen und den Niederlanden nach Deutschland. FOCUS online liegen die vorläufigen Zahlen der deutschen Erdgasimporte des Statistischen Bundesamtes für 2023 vor. Diese zeigen: Rund 24,5 Millionen Tonnen Erdgas kamen aus Norwegen, danach folgen die Niederlande mit 7,68 Millionen Tonnen und gleich dahinter die USA mit 3,63 Millionen Tonnen. Aus Russland gelangten nur noch 8802 Tonnen Erdgas nach Deutschland.

Warum die Gaspreise steigen könnten

Auch die Bundesnetzagentur verfolgt die Lage auf dem Gasmarkt: „Welche mittelfristigen Auswirkungen die Ankündigung der US-Regierung haben könnte, bleibt abzuwarten. Unvermindert höhere Gaspreise könnten eine mögliche Konsequenz sein“.auf den Weltmarkt wirkt sich aus, hängt davon ab, wie sich die Nachfrage, insbesondere in China und Asien insgesamt, entwickelt und wie andere Exportländer mit dem Ausbau ihrer LNG-Exportkapazitäten umgehen“, so die Aussage auf Anfrage. Sinkt das Angebot an Gas in den USA, könnte sich auch für deutsche Unternehmen und Verbraucher der Preis für die Gaslieferungen aus Norwegen oder den Niederlanden erhöhen. Wo weniger Gasangebot vorhanden ist, steigen die Preise.

Ebenfalls plant die Ukraine ab dem nächsten Jahr keine Gasexporte mehr aus Russland in die EU weiterzuleiten. Länder wie Österreich sind jedoch weiterhin stark davon abhängig. Sollte die Ukraine den Gashahn schließen, besteht die Hoffnung, dass Deutschland mit seiner LNG-Infrastruktur einspringen könnte. Das Gas könnte in Deutschland gleichmäßig verteilt werden, um den Preis auf dem europäischen Gasmarkt stabil zu halten. Bereits berichtete FOCUS Online. Es bleibt unklar, ob diese Pläne weiterhin aufgehen werden.

Deshalb schlagen Lobbyverbände Alarm. Die stark gestiegenen Gasimporte aus den USA seien in den vergangenen zwei Jahren der europäische „Schlüssel gegen Russland“ gewesen, welche „Energie als geopolitische Waffe“ einsetzte. Das sagte Fredrik Persson, Präsident des Brüsseler Lobbyverbandes BusinessEurope zur „New York Times“.

Deutschland sollte schnellstmöglich von Erdgas wegkommen

Umweltschützer feiern die Ankündigung der US-Regierung als bedeutenden Schritt für die Energiewende. 60 Abgeordnete des Europäischen Parlaments unterstützten kurz nach der Ankündigung in einem offenen Brief die Pläne von US-Präsident Joe Biden. „Europa sollte nicht als Vorwand für die Ausweitung der LNG-Exporte genutzt werden, die unser gemeinsames Klima gefährden“, hieß es darin. Die derzeitige Verwendung fossilen Gases in Europa werde demnach bereits durch die aktuellen Importmengen und die vorhandene Infrastruktur gedeckt. Dies ist auch ein Argument, das die Protestierenden auf der Ostseeinsel Rügen immer wieder vorbringen.

Klar ist: Will Deutschland klimaneutral wirtschaften, muss das Land schnellstmöglich von fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle und Gas wegkommen. In der Praxis sind noch immer zahlreiche Unternehmen und Verbraucher von den fossilen Rohstoffen abhängig. Die Energiewende stockt, und die Ausbauzahlen der Bundesregierung in der Windkraft scheinen zu ambitioniert. Solange bleibt Deutschland weiterhin abhängig – von den Öl-Scheichs in Nahost und von Gaslieferungen aus den Vereinigten Staaten.

RELATED ARTICLES

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

- Advertisment -
Google search engine

Most Popular

Recent Comments